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Hier findest du Auszüge und Leseproben aus meinem Manuskript „Lieber Herr Crohn“.

Back to normal Life? Vorwärts reicht völlig.

Exakt ein Jahr ist meine „große“ Bauch-Operation nun her. Meine Bucket-List vorm Cut off habe ich damals nicht ganz geschafft. Aber das macht nichts, denn: Mir bleibt nun Zeit, alle Punkte mit Genuss nachzuholen. Und noch weitere dazu. Und zwar langsam, ohne Deadline … weil die sich durch die OP um einiges nach hinten verschoben hat.

Die Hemikolektomie, die aus der geplanten OP schlussendlich geworden ist, war hochnotwendig. Die hässliche Stenose, die sich am Übergang aufsteigender, querliegender Dickdarm breit gemacht hatte, war dermaßen massiv und entzunden … „Ein dicker, faustgroßer Knubbel“ – so hat es die wunderbare Chirurgin benannt, und: „Es war höchste Zeit, dass der entfernt wurde.

Bucket-Liste vorm Cut off

Lieber Colon Ascendens, 

oder willst du lieber aufsteigender Dickdarm genannt werden? oder Dickie? oder ganz anders?

Wir kennen uns zwar schon fast 49 Jahre, aber ehrlich gesagt so richtig wahrgenommen habe ich dich erst seit der liebe Herr Crohn in meinem Leben eine aktive Rolle spielt. Was traurig ist, denn an sich bist du ein feiner Kerl, der mir viel abnimmt, viel verdauen muss und eine richtige Scheißarbeit hat – um es mal deftig auszudrücken. 
Und dann kommt da so ein grauer Mistkerl daher und spielt quer, macht dir den Arbeitsalltag mies, legt dir Steine in Form von Entzündungen in den Weg und versaut deinen Arbeitsbereich. Dennoch hast du über die Jahre tapfer gekämpft, hast mich auch in schweren Zeiten nicht im Stich gelassen und in diesem Krieg, den wir gemeinsam durchstehen, so manche Narbe davon getragen. 

Auszug aus „Lieber Herr Crohn“: Bauchbilanz

Lieber Herr Crohn,

zum Jahresende macht man gerne Rückblicke und erstellt Bilanzen. Nicht nur kaufmännischer Natur, auch was das sonst Erlebte betrifft. Mal nachsehen, was sich so ereignet hat im Lauf des Jahres, an Gutem, Schlechtem, Schönem, Hässlichem … ein mentaler Kassasturz. Ob es dabei Sinn macht die guten mit den weniger guten Dingen gegenzuverrechnen bezweifle ich. Manche tun´s, ich halte es für sinnlos. Man hatte beides und ändern kann man es nicht. Für die Erinnerung macht es wenig Sinn, das eine durch´s andere aufzuwiegen – bei mir hat das nie funktioniert.

Aber das Rückblicken und Inventieren der Ereignisse finde ich gut. Es macht so ein Jahr begreifbarer. Nicht verständlicher, aber es bietet die Möglichkeit, das eine oder andere nun abzuschließen.

Auszug aus „Lieber Herr Crohn“: Psychoheiler via Dr. Google

Lieber Herr Crohn,

gestern habe ich gegoogelt. Mich so richtig durch die Szene gewühlt, einmal querbeet die Foren überflogen, auf Amazon schräg gelesen und auf den Websites selbsternannter HeilerInnen die Angebote studiert.

Alles mit dem Stichwort: Morbus Crohn.
Ergänzt durch: Alternative Heilung.

Ich sag´s dir: Cool ist das. Und wenn die alle recht haben, dann muss ich dir ernsthaft Abbitte leisten für die Anschuldigungen, mit denen ich dich unkorrekterweise überhäuft habe.

Denn Schuld an allen crohnischen Übeln bist nicht du, sondern ich. Ich allein. Mea culpa, mea maxima culpa. (Hier musst du dir ein paar Schläge mit der neunschwänzigen Katze auf meinem Rücken vorstellen.)

  • Weil ich meinen Lebensweg, der mir kosmisch zugeteilt wurde, verlassen oder noch nicht gefunden habe.

Auszug aus „Lieber Herr Crohn“: Hoffnung

Liebe Hoffnung,

wir hatten in letzter Zeit nicht viel miteinander zu tun. Lag daran, dass du mir immer wieder aus den Händen geglitten bist, zu wenig greifbar warst, zu dünn … ich hab dich eigentlich schon länger nicht gesehen.

Mag ja sein, dass du da warst, aber ich glaube, wir haben einfach nur so nebeneinander her gelebt.

In den letzten Tagen aber hat sich was verändert. Du erscheinst mir plastischer, näher bei mir, fast kann ich dich spüren. Ist noch zu wenig um zu sagen: Wir sind wieder ein Team. Aber es könnt wieder was werden.

Auszug aus „Lieber Herr Crohn“: Angst

Lieber Herr Crohn,

Angst ist etwas sehr vielfältiges. Es gibt nicht nur „die Angst“, es gibt viele, viele verschiedene Ängste. Manche sind alt und von unseren Urururururururahnen als wichtiges Überlebensmittel vererbt. Andere haben wir uns in unserem Leben selbst herangezüchtet. Manche sind komplett irrational, hysterisch, unberechenbar und manche sehr persönlich, wie Höhenangst, Spinnenphobie und Zittern im Dunklen. Manche Ängste tauchen plötzlich, einmalig und völlig unvorhersehbar auf. Andere manifestieren sich in schweren körperlichen Panikattacken, die immer wieder und immer zum blödesten Zeitpunkt auftreten.

Einige Ängste sind gesellschaftlich anerkannt, andere verheimlicht man besser, niemand würde sie verstehen.