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Viel Sommer, viel Buchmanuskript, viel Dings und Uff

CurrentMode 0919 sm - Viel Sommer, viel Buchmanuskript, viel Dings und Uff

Mein letzter Beitrag hier war im Mai – Schande auf mein Haupt. Aber ich habe einen Lastwagen voller Gründe, warum seit dem Frühjahr Blog-Sendepause war.

Der prominenteste wiegt zugleich am schwersten: Mein Buchmanuskript.
Im Herbst 2018 erhielt ich eine Anfrage vom Humboldtverlag, ob ich nicht Lust hätte ein Ratgeberlein für Crohnies zu schreiben. Lustig, flott und mit den Infos, die man braucht, damit man ein paar Werkzeuge in der Hand hat, um dem lieben Herrn Crohn das Lebenszepter aus der Hand zu nehmen.
Die Antwort war klar: Und wie ich Lust dazu hatte!!! (siehe: der liebe Herr Buch)
Doch zuerst musste ich ausgiebig Freude tanzen, Jubel schreien und danach wieder zu Atem kommen.

Was ich nicht wusste, weil man das als Neo-Autorin nicht weiß: So ein Buch ist viel Arbeit. Sehr viel Arbeit. Richtig viel, intensive Monsterarbeit.
Wenn man als Spoonie, mit Crohn & Co, durchs Leben hatscht und einem das Leben gerne mal in die Suppe spuckt (Leben eben), dann ist neben dem Buchstabensammeln für das Manuskript nimmer viel Zeit und noch weniger Kraft für anderes. Wie zum Beispiel Blogbeiträge verfassen oder Zeichnungen basteln. Flockig-amüsante Bonmonts auf Twitter, Facebook und Co. ausgeben. Das restliche Leben auf die Reihe bekommen. Den ganz normalen Stolpersteinen elegant ausweichen, ehe man über sie stolpert und es einen fulminant auf die Goschn haut – ostösterreichisch für „Antlitz“, genauer: „die Mundpartie“.

Hinzu kamen dann noch ein paar familiäre Gesundheitshürden, wo ich von der Rolle der Dauerkranken in die der Krankenbegleiterin schlüpfte. Zum Glück nicht alleine, aber die Belastung war dennoch intensiver als erwartet, vor allem im Bereich „große Sorgen machen“.

Tja, und dann war da noch meine unerwünschte Superkraft (=USuk) namens Perfektionsdrang. Braucht in Wirklichkeit niemand, hat man fallweise aber gratis im Gepäck. Die hat mich leider immer wieder aufgehetzt, um noch dieses und jenes zu tun, da was zu optimieren, hier was in die Wege zu leiten, alles hübsch glatt polieren, bissi aufbretzeln und sanft schleifen.
In Summe war das alles zu viel – viel zu viel. Also stieg ich vom Gas, kappte ein paar Seile, um den Sturm aus den Segeln zu nehmen, und versuchte eine Karrosseriebremsung zu vermeiden. Was auch fast gelang.

Das Buchmanuskript wuchs trotzdem üppig und fein, wurde dann viel zu groß (wie zu erwarten war bei mir 😉 ), aber landete in vollem Umfang zwei Tage vor (!!!1!!!) dem Abgabetermin beim Verlag und wird nun auf ein bekömmliches Maß eingekocht. Was meiner vielschreibenden Seele schon ein bisschen weh tut. Aber ich weiß, dass das sein muss und ich weiß, dass es gut ist und ich weiß auch, dass die, die das nun machen, sehr behutsam, einfühlsam und rücksichtsvoll am Werk sind.

Um mich für die Phase des Dranbleibens und Durchhaltens zu belohnen und vor allem um mir einen Erholungsanker für die Zeit nach dem Abgabetermin vor die Nase zu setzen, hatte ich mir im Frühjahr spontan eine Reise an die Ostsee versprochen. Im Strandkorb am Meer sitzen, den Wellen zuschauen, Sonne auf den Bauch scheinen lassen, frischen Wind um die Nase, alte Steine bestaunen, Kreideklippe und noch mehr Meer … so in etwa.
Im Herbst 2018, noch vor der Buch-Anfrage, hatte ich zudem einen Wanderurlaub ins zauberhafte Dartmoor gebucht, Reisedatum Mitte bis Ende September 2019. … also jetzt.

Wie sagt man so schön: Wer die Götter zum Lachen bringen will, der erzählt ihnen von seinen Plänen. Ich bin mir sicher, sie halten mich mittlerweile für ihre persönliche Kabarettistin. Mit mir, über mich und meine „Pläne“, kichern sie scheinbar sehr gerne.

Um das Ganze ein bisschen abzukürzen: Mein Galopp war für mich Esel ein wenig viel zu viel. Ich habe mich im Lauf der Wochen und Monate selbst abgeworfen und zusätzlich haben der Herr Crohn und seine Arschgeigen fiesen KumpelInnen auf ihre Weise dafür gesorgt, dass es ein paar Mal heftig und schmerzhaft geplumpst hat.
Die Reise an die Ostsee wäre beinahe einem Fast-Darmverschluss zum Opfer gefallen. Ich bin buchstäblich vom Krankenhaus zum Flughafen gefahren und der so sehnlichst erwartete Urlaub und die erhoffte Erholung haben bereits bei der Anreise begonnen, sich in Luft aufzulösen. Vor Ort war es dann anders als gedach-erwartet, meine Kondition hatte ich vergessen mit einzupacken und es ging mehr als nur wenig schief. Bis hin zur sehr mühsamen Heimreise, bei der u.a. mein Koffer den Anschluss verpasste und ich allein in Wien landete, mit ein paar Stunden Verspätung und fertig mit der Welt.
Der traurige Trost: Ich könnte darüber ein Drehbuch für eine Slapstick-Komödie machen. Aber wer würde das sehen wollen?

Der kurz darauf folgende, wieder akute Krankenhausaufenthalt brachte in dem Sinn (noch) keine wirkliche neue Diagnose, keinen „Schuldigen“. Dafür aber die Erkenntnis, dass ich physisch und psychisch komplett erschöpft war … besser: bin. Ob das nur von den letzten Wochen-Monaten ist, oder ob sich da nicht zusätzlich noch eine medikamentöse Nebenwirkung hineingeschlichen hat, ist noch nicht ganz raus.

Womit die so lange, so sehnsüchtig erwartet und immens vorgefreute Reise ins mystische Dartmoor, plus einer Woche Irland bei meiner Irish-Mum und Family, der erste Stornofall war, wo ich auf meine Reiseversicherung zugreifen musste.

Alles einfach nur Uff und Bäh und zum Heulen.

Aber …, nein:

ABER!!!

Dieses „Aber“ muss  man groß, riesengroß schreiben. Denn es ist ein tolles, ein freudiges ABER. Man könnte es sogar mit einem dicken, fetten „eigentlich“ unterstützen, wenn das nicht so ein blödes Wort wäre. Also nur „Aber“ und eine Liste mit all dem Dings, was Gutes im Schlechten war und ist:

  • Mein Buchmanuskript ist fertig. FEEEEERTIG!
    Und dank das tollen Teams vom Humboldt-Verlag wird es ein supertollfeines Buch und ich freu mich extrem, tierisch, megatoll!!! – in Gedanken, denn physisch bin ich aktuell zu ko.
  • Da war auch viel, sehr viel Schönes in diesem Jahr: Unzählige kleine und große Besonderheiten, Begegnungen, Erinnerungen und magische Momente, wo man in einem Atemzug mehr Glücksgefühle inhaliert, als mit einer Woche Urlaub.
    Zum Beispiel habe ich beim verunglückten Ostseeurlaub am freien Tag die wunderbare Sabine Dinkel und ihre beiden tollen Bassetdamen endlich kennengelernt – also in real, denn via Internet kennen wir uns ja eh schon eeeeeewig und drei Tage.
    Das war soooooooooo toll! Bis hin zum zufälligen Finden eines Cafés, wo wir beide gleichermaßen was Köstliches zum Mümmeln und Mampfen gefunden haben, bewacht von den Hundedamen Wilma und Frieda, die dafür Dauerknuddeleinheiten einforderten. Hach! Herrlich!
    #glückspeng, #retropeng und #kirschpeng hoch 10, um es mit Sabines Hashtags auszudrücken. Bei der Gelegenheit habe ich mich auch mit Strandgutkichern angesteckt. Aber das ist eine andere Geschichte, dazu demnächst mehr.
  • Ich habs in den ostseeigen Strandkorb geschafft, mit Meerblick, Möwen und allem PiPaPo 🙂
  • Mein Crohn ist trotz Lebenschaos so weit als möglich in Remission – er hat also weitgehend die Klappe gehalten, ist seinerseits auf „Urlaub“ und hat die Lage nicht zu seinen Gunsten ausgenutzt. Auch wenn ich viele meiner gesundheitlichen Zores heuer trotzdem auf ihn & die anderen Fiesis schieben kann. Das sind allerdings Sachen, die eine lange, chronische Autoimmunerkrankung in Kombination mit meinen Besonderheiten im Lauf der Zeit mit sich bringen. Einiges davon sind Altlasten, einiges fällt unter den garstigen Begriff „altersbedingte Verschleißerscheinungen“, manches ist crohnisch „hausgemacht“, weil mein Motor eben nicht mehr so belastbar ist. Und der Rest war das, was man als „Bad Luck“ bezeichnet. Kann jedem passieren, auch wenn es damit nicht lustiger wird.
  • Ich hatte immer wieder überraschende Hilfe und fürsorgliche Arme, die mir unter meine griffen, und mich aus traurigen, trostlosen oder frustrierenden Situationen holten. Nix und niemand davon war selbstverständlich. Alles davon war heilsam und schön und ich bin jedem dafür sehr, sehr dankbar. Das hat vieles erträglicher gestaltet und leichter gemacht.
  • Der Sommer ist vorbei und damit auch die teils unerträgliche Hitze, die (nicht nur) mir heuer so zugesetzt hat. Damit kann die verordnete strikte Erholung nun in einem angenehm temperierten Klima vonstatten gehen, quasi schon mal die halbe Miete.
  • Mein Kopf ist voller Ideen und Pläne, mehr als Kraft vorhanden ist und das ist gut so. Ist ja auch ein Zeichen von Resilienz, wenn die Kreativität sprudelt. Aktuell schau ich dem lustigen Treiben einfach nur zu und lasse meine Hirnkobolde herum kullern wie es ihnen gefällt. Sehenswerte Purzelbäume und Kasperliaden notiere ich mir (oldschool!) in einem Schreibheft.
  • Apropos Resilienz: Ich kann noch immer lachen. Die mich gut kennen wissen somit, dass die Lage vielleicht ernst, möglicherweise auch beschissen, aber nicht hoffnungslos ist 😉
    Solange ich noch irgendwo, irgendwie, irgendwas finde, worüber ich grinsen, lachen oder Witze reißen kann, steht der Zeiger auf „Vitalfunktionen vorhanden, weit weg vom finalen Adieu“.
  • Die beiden akuten Spitalsaufenthalte waren irrsinnig stressig und extrem erschöpfend, haben mir aber auch viele neue Geschichten geliefert. Kleine und große Beobachtungen, mal heiter, mal bittersüß, mal zum Nachdenken, mal in Form von Situationskomik. Einige davon werden sich in Bälde hier im Blog einfinden. Inklusive neuer  Zeichnungen 🙂
  • Mein Buch wird toll (imho 😉 … aber das schrieb ich ja schon weiter oben. In Bälde gibt es genauere Infos dazu, wie Titel und Cover und es bleibt bei Beginn 2020, was das Erscheinungsdatum betrifft.
    Das, was keinen Platz im Buch findet, wandert peu á peu als Blogbeitrag hinaus. Was soviel heißt wie:
  • Die ungeplante Blogpause ist vorbei.
    In den kommenden Wochen gibt es wieder mehr zu lesen von mir 🙂

In diesem Sinne ein ganz herzliches

DANKE!

… fürs bis hierher Lesen, für die Geduld und das Verständnis für diese lange Pause.

2 Kommentare

  1. Liebe Mia,
    danke für diese Zusammenfassung und alles, was unter ABER!! steht; frau sorgt sich ja schon immer mal wieder um Dich… Mein „schönstes Ferienerlebnis“ war Dukes und mein Besuch bei Euch im trauten Heim, mit all‘ den lieben Verwöhneinheiten wie Kuchen, Duschen, NOCH einen Kaffee bitte, incl. unseres gemeinsamen Gesanges. Wie Du weisst – wir kommen wieder 🙂
    Und nun noch einmal meinen allerfeinsten Glückwunsch zu Deinem Buch!!!
    Liebste Grüße und Umärmelung von Peti,
    z.Zt. in Canberra/Australien
    [… da siehste mal, wo überall ich an Dich denke 😉 🙂 ]

    • Michaela Schara sagt

      Liebe Peti! Hach ja, euer Besuch war eines DER Sommerhighlights <3 !!! Denke auch noch seeehr gern daran zurück und euer spontanes Minikonzert war ja der Oberhammer :))) Hoffe auf Wiedersehen 2020 und schick ganz herzliche Grüße zu dir und Duke, egal wo ihr gerade seid!

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