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Cartoons, Kranke Geschichten - Strange Stories

Schräge G´schichten: Hunger auf Geschmack

Meine achte schräge G´schicht in der Kategorie … aber das ist eine andere Geschichte für die Zeichen-Challenge #30SkizzenimNovember macht Appetit und hat eine Botschaft: Es ist nicht immer alles so, wie man es sich denkt. Vor allem, wenn man hungrig denkt. Was eigentlich gar nicht geht. Aber lest selbst.

Alle Skizzen, von anderen und von mir, findet ihr auch auf Instagram, Facebook oder Twitter unter dem Hashtag #30SkizzenimNovember, meiner ist zusätzlich #schrägeGschichten.

30 Skizzen = 10 schräge Geschichten – Nr. 8:

Hunger auf Geschmack

Ich habe Hunger.
Richtig, großen Hunger.
Nicht auf Essen.
Essen hatte ich schon und es hätte mich vermutlich ernährt, wenn ich es gegessen hätte. Es war glutenfrei, laktosefrei, ballaststoffrei und geschmacksneutral. Mein Essen war so von allem befreit, dass es ein Wunder war, dass ich es überhaupt gesehen habe. Es hatte vermutlich auch Kalorien. Aber soweit sind wir nicht gekommen. Wäre es ein Bild auf Tinder gewesen, hätte ich es wenigstens wegwischen können – kein Interesse.
So habe ich es einfach stehen gelassen. Es hat dann noch trauriger ausgesehen und ich hatte sogar den Hauch eines schlechten Gewissen. Aber mein Magen hat sich geweigert dem traurigen Kalorienkonvolut Unterschlupf zu gewähren und in solchen Dingen bin ich meinem Bauchgefühl hörig.

Still und schweigend habe ich es wieder zurück getragen, in den Wagen, mit dem es und seine Kollegen auf der Station gelandet ist. Einzig das Schild mit meinem Namen habe ich entfernt. Mein Mitgefühl mit dem nun noch traurigerem traurigem Essen war ein wenig kleiner, als ich es zu seinen anderen, gleichfalls verweigerten Kollegen in den Wagen geschoben habe. Es war wenigstens nicht allein. Der Nahrungsmitteltinderpapierkorb dürfte heute wieder voll werden.

Das Kaloriendesaster ist vom Tisch, aber mein Magen hat dennoch Bedarf. Und dann hab ich ja auch noch Hunger. Auf Essen, dass wie Essen aussieht. Das einen Geruch hat, wie gutes Essen riechen sollte. Das mit einem Hauch Liebe angerichtet wurde oder zumindest nach optischen Kriterien, die auf visuellen Geschmack schließen lassen. Ich will erkennen, was das für eine Gemüse ist, will etwas haben, worauf ich beißen kann, es darf Salz drin sein und gerne eine Reihe klassischer und exotischer Gewürze. Ich will Vitamine, Kohlehydrate und Spurenelemente – in Form von Nahrung, die auch der Seele gut tun und den Mund dazu bringt, es mit einem Lächeln zu kauen, damit die Speiseröhre sich freut, es zu schlucken und der Magen ein Stündchen später noch glücklich gluckert.
Das ist die Sorte Hunger, die ich gerade habe. Aber das trifft leider genau nicht auf die Sorte Essen zu, die ich hier im Krankenhaus erwarten darf. Selbst mit allen Tricks der Diätassistentin ist das leider nicht möglich.

Was ein Problem darstellt, denn ich habe eben gerade diesen Hunger und wenn ich diese Art Hunger habe, dann werde ich sehr unleidlich, wenn der nicht zu meiner Zufriedenheit gestillt wird. Was sich dann auf die weitere Umgebung auswirken kann und gesundheitliche Probleme verurschen könnte, nicht nur bei mir. Die Diva-Werbung eines bestimmte Schokoriegels deutet in etwa an, wohin sowas führen kann. Das wäre in meinem Fall aber die sanfte Version. Ich will nicht, dass das ausartet, weil ich weiß, wie es dann ausarten kann und das will ich weder den anderen, noch mir zumuten.

Es wirkt wie eine Pattsituation, aus der es keinen Ausweg gibt. Denn ich bin ja im Spital, stationär aufgenommen, als Patientin. Ich kann nicht eben mal beim Wirtshaus gegenüber einkehren und mir das 1er-Menü bestellen. Abgesehen davon, dass das, was ich will, was mir schmeckt und was ich vertrage, gegenüber nicht zu bekommen ist.

Ich kann nicht raus, das Essen muss zu mir. Und zwar rasch, denn mit jeder Minute wird die Stimmungslage labiler und die Monsterdiva scharrt in den Startlöchern.
Es ist somit ein klassischer Fall von selbstverteidigender Fürsorge, dass ich mich an die Instanz wende, die in solchen Fällen einzig und allein helfen kann: den Lieferdienst.
Zwei Apps sind auf meinem Smartphone für solche Fälle installiert und ich danke an dieser Stelle meinen wunderbaren Kindern, dass sie mir diese Art der Nahrungsjagd als Nothelfer empfohlen haben.
Nun ist es soweit, ich muss das Notfallprogramm starten. Die Auswahl ist immens, aber ich brauche etwas, das in der Nähe ist (weil schneller da), was ich vertrage und im Idealfall von einem Lokal, das ich kenne, denn dann weiß ich, ob es gut ist.
Mein Glück, dass ich in einem Krankenhaus in Wien bin, relativ zentral gelegen, wo die Auswahl der gelisteten Lokale somit auch ein paar Asiaten auflistet, bei denen ich schon das Vergnügen hatte gut gegessen zu haben. Insofern ist es nur noch eine kleine Qual der Wahl, welchen und was ich auswähle.

Während ich die Bestellung abschicke, richte ich ein stilles Dankgebet an den Erfinder des Internet, die Entwickler dieser App und meine lukullischen Schutzengeln. Und hoffe, dass der Koch Dampf macht und der Bote Vollgas gibt.

Das Schöne und zugleich Fiese an dieser App: Ich kann den Weg mitverfolgen. Quasi mit sabbernden Lefzen über dem Bildschirm hängen, alle paar Minuten auf Aktualisieren klicken und mit knurrendem Magen die Minuten bis zum Eintreffen des Boten zählen. 30 Minuten, in meinem Fall. Das ist schnell und langsam zugleich.
Und es lässt mir genug Zeit, mich auf den Weg zum Treffpunkt zu begeben. Denn aus Gründen des Datenschutzes (ich will nicht, dass die halbe Station und die gesamte medizinische Belegschaft mitbekommt, dass ich mir was Nahrhaftes aufs Zimmer liefern lasse) (oder es an die Diätassistentin verpetzen) (oder mir wegessen … was aktuell meine größte Angst ist) … jedenfalls: aus Gründen des Datenschutzes habe ich mir die Lieferung zur Rezeption unten hinbestellt und hoffe, das zu dieser späteren Stunden Flaute beim Eingang herrscht.

20 Minuten vor Eintreffen meiner Futterschüssel halte ich es im Zimmer nicht mehr aus. Ich flüster der diensthabenden Schwester zu, dass ich „ein bisserl im Haus spazierengehe“ und stapfe Richtung Rezeption. Vielleicht irrt die App ja und der Bote kommt früher. Oder war schon da! Also schnell runter und die Lage im Auge behalten.

Der Bereich rund um die Rezeption ist weniger leer, als ich vermutet und erhofft habe. Es steht zwar niemand für eine Aufnahme an, aber es lungern genug Leute herum, damit man nicht von unbelebt reden kann.

Allerdings wirken die alle so, als würden sie ohnehin nichts von ihrer Umgebung mitbekommen: Jeder hängt über seinem Handy. Wunderbare neue Welt, ich bin von Smombies umgeben  – Smartphone-Zombies.
Ich suche mir einen Platz mit gutem Blick auf den Eingang, zücke mein Handy und prüfe, wie weit mein Futter im Abendverkehr schon gekommen ist. 15 Minuten bis zum Einschlag.

Ein paar Meter rechts von mir sitzt ein junger Mann, sichtlich Patient, die Füße überschlagen und zappelig. Ich kann es nicht leiden, wenn jemand dauernd mit dem Fuß wippt, das macht mich nervös. Er zappelt mit dem Fuß und streicht immer wieder fahrig über sein Handy. Dann und wann hebt er den Kopf und blickt sehnsuchtsvoll zum Eingang. Dann seufzt er und glotzt wieder auf seinen Kommuniktationsknochen. Wartet vermutlich auf einen späten Besuch, denke ich mir, und so hoffnungsvoll, wie er zum EIngang blickt, wird es vielleicht seine Liebste oder sein Liebster sein. Ein Romeo, der auf Julia oder Julius wartet. Romantik im Spital ist was Schönes, ihm sei das Fußgezappel verziehen. Liebe und Ungeduld gehören nunmal zusammen.

Schnell ein Blick auf meine App – das Paket nähert sich, 10 Minuten. Seit wann dauert denn das so lange? Vor kurzem waren 5 Minuten viel schneller um, momentan zieht es sich echt. Ich aktualisiere noch zweimal, aber es ändert sich kaum was.

Seufzend hebe ich meinen Blick und lasse ihn schweifen. Links von mir sitzt eine Grüne. Entweder aus der Chirurgie oder einem anderen operativen Bereich. Ob Ärztin, ob Schwester, ob Studentin – keine Ahnung. Grüne knielange Hose, grünes Wams, grünes OP-Käppi … und ein zappelnder Fuß, der ähnlich wie beim jungen Mann rechts von mir, permanent am Wippen ist. Doch gänzlich anders als beim junge Mann ist dieser Fuß mitsammt der Wade bestrumpft. Mit grünen Kniestrümpfen, auf denen sich viele weiße und ein paar schwarze Schafe tummeln. Was in Kombination mit dem wippenden Fuß zum Eindruck führt, die Schafe würden sich bewegen und es herrscht viel Getummel auf der Weide.
Vielleicht habe ich aber auch schon Halluzinationen vor lauter Hunger.
Die Wahl der Socken lässt mich vermuten, dass die Grüne in der Anästhesie arbeitet. Vielleicht ist das ja ein Insidertrick, um die Einschlafzeit der Patienten vor der OP durch Sockenschäfchenzählen zu verkürzen.

Hunger 2 - Schräge G´schichten: Hunger auf Geschmack

Die grüne Schafsockenträgerin hat ihr Handy gleichfalls fest im Griff. Am Tisch neben ihr steht eine Cola, der Blick vom Handy hebt sich regelmäßig, einmal zur Cola, dann zum Eingang. Ich vermute mal, dass sie auf die Ablösung wartet.

Zeit um mal wieder den Lieferstatus zu prüfen – 5 Minuten. Es wird Zeit. Ich hebe den Blick und lasse ihn über das Grüppchen der anderen Anwesenden schweifen. Ein buntes Sammelsurium wartender Menschen, die in ihrer Zusammensetzung klassisch für ein Krankenhaus sind. Patienten, medizinisches Personal, in Summe um die 15 Personen. Alle sitzend, alle mit dem Handy in der Hand. Von Zeit zu Zeit hebt wer den Blick, sieht zum Eingang, senkt ihn wieder und wischt über das Handy. Bei den meisten zappelt ein Fuß und ich merke auf einmal, dass auch mein Fuß wippt. Kunststück, der hat sich anstecken lassen. Ich stoppe das Wippen und stehe auf. Stehende Füße können nicht wippen. Dafür werden sie aber zappelig und ich beginne herumzugehen. In konzentrischen Kreisen nähere ich mich der Rezeption. Mein Bote müsste jeden Moment hier eintreffen. Himmel, ich hoffe, er hatte keinen Unfall! Nicht auszudenken …

In diesem Moment kommen zwei junge Männer herein, beide tragen unübersehbar Essenslieferdiensttaschen. „Die Pizza ist da!„, ruft der eine.

Pizza? Wieso Pizza?? Ich hab doch keine Pizza bestellt!
Habe ich mich vertippt?
Ich zücke hektisch mein Handy, während ich gleichzeitig auf den Boten zu gehe. Aber da überholt mich ein Schatten von rechts – der junge Mann mit dem zappelnden Fuß, der auf seine Liebe wartet. „Endlich, danke! Das ging schnell, ich hab schon so einen Hunger!
Ein Geldschein wechselt seinen Besitzer, die Pizzaschachtel wechselt zum jungen Mann, der sie liebevoll, mit glücklichem Gesicht an seine Brust drückt und Richtung Aufzug stapft.

Ich stehe verdattert da und schaue zum anderen Lieferdienstmann, der eben seine Box in die wartenden Hände der Schäfchensocken-Lady entleert.

Äh …

Ich schaue mich um – alle, die hier gewartet haben, blicken zu den beiden Boten. Ein paar haben sich halb erhoben, ihr Handy in der Hand, zwei stehen und waren sichtlich am Weg zu den beiden.
Der Ausdruck in ihrem Gesicht muss meinem ähneln und fällt unter die Kategorie: Blöd aus der Wäsche gucken.

Während ich langsam beginne die Zusammenhänge in meinem Kopf neu zu ordnen, betritt ein dritter Bote den Raum. „Butter Chicken, Mangocreme, Karottensaft und Muffins?“ fragt er in die Runde. Ich trete wie in Trance auf ihn zu, nicke, reiche ihm das Geld und nehme mein Päckchen Glück entgegen. Der schönste Moment des Tages. Ich halte meine wohlverdiente Beute in Armen, warm und köstlich duftend. Ich weiß nun, wie der Himmel duftet und das es sich lohnt auf dieses Gefühl zu warten.

Die anderen wartenden Hungerleider sind vergessen, ich wandere wie auf Wolken zum Aufzug, versuche nicht zu sehr zu sabbern und meinen Schatz gut festzuhalten.

Oben angekommen packe ich aus und haue rein. Bei der Nachspeise beginne ich im Kopf zu kalkulieren, wieviel Umsatz die Lieferdienste allein heute abend hier gemacht haben und ob es nicht eine ideal Geschäftsidee wäre, eine Sammelapp für hungrige Krankenhäusler zu machen, womit man die Anreise öokologischer und ökonomischer gestalten kann – denn dann müsste nur ein Lieferwagen kommen und nicht 15 verschiedene Boten. Andererseits würde das dann vermutlich länger dauern. Die Idee ist noch nicht ganz ausgereift.

Beim Wegräumen der Überreste grüble ich, ob ich morgen einen Abstecher zu den Anästhesisten mache und versuche die Schafsockenträgerin zu finden. Wenn ich es recht in Erinnerung habe, hatte sie ein Curry. Wenn es gut war, bestell ich mir eins für morgen Abend.

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Schräge G´schichten: Schatzimausi und der Schweinehund

Ich bemühe mich meine kleine, mehrtägige Verspätung aufzuholen und darum Voilá: Meine siebte schräge G´schicht in der Kategorie … aber das ist eine andere Geschichte ist fertig, inkl. zweier Zeichnungen für die Zeichen-Challenge #30SkizzenimNovember. Diesmal beginnt es dramatisch und endet bittersüß romantisch.

Alle Skizzen, von anderen und von mir, findet ihr auch auf Instagram, Facebook oder Twitter unter dem Hashtag #30SkizzenimNovember, meiner ist zusätzlich #schrägeGschichten.

30 Skizzen = 10 schräge Geschichten – Nr. 7:

Schatzimausi und der Schweinehund

Ich sitze auf meinem Bett, meine Mutter mir gegenüber. Zusammen starren wir den Krug an. Der tut so, als würde er uns nicht sehen. Das Zeug, das er in seinem Inneren hat, soll in meinen Magen. Damit man dann im Röntgen was sieht. Das Zeug ist aber eklig und das hoch drei. Megaobergrauseeklig. Als hätte man Schnecken verquirrelt, mit viel synthetischem Geschmacks-nicht-Optimierer versehen und mit Mineralwasser aufgegossen.
Eklig in Form, Farbe, Geruch und generell.

Aber es hilft nichts, das Zeug muss in meinen Darm und darum sitzen wir hier. Meine Mutter, die mich ins Krankenhaus gebracht hat, und ich.
Immerhin sitzen wir hübsch. Also vom Zimmer her. Es ist ein nobles Privatspital, das ich mir nie hätte leisten können. Doch meine Mutter wollte, dass ich zu diesem bestimmten Arzt gehe und der vollbringt eben nur in diesem bestimmten Hospital sein Werk, das mehr einem Hotel, denn einem kranken Haus ähnelt. Das sein Werk ein sehr bescheidenes sein würde, mit falschem Ergebnis, wissen meine Mutter und ich da noch nicht.

Also sitze wir hübsch in diesem Zweibettzimmer, mit nettem Ambiente und einer bis dato sehr schweigsamen Mitpatientin. Sie hat uns nur stumm begrüßt und wird aktuell von zwei fürsorglichen Schwestern betütelt. Die Gnädige-Frau-Quote ist hoch. Der Sinn ihrer Tätigkeit sollte vermutlich dem Ankleiden und der körperlichen Reinigung dienen, doch sie kommen nicht wirklich weiter, denn die gnädige Frau weigert sich sehr ungnädig, bei diesem Ballett mitzumachen. Sie blickt nur stumm und starr, mit bohrendem Blick, mal zur einen, dann zur anderen und sitzt mit ihrem zartgelben Nachthemd auf ihrem königlichen Bette.

Meinem Krug ist die Szene wurscht, er hat sich mir keinen Zentimeter genähert und so muss ich selbst seufzend zur Tat schreiten – das erste Glas des Schneckensmoothies wird eingeschenkt. Augen zu, Nase zu, meine Mutter nickt aufmunternd, ich würge das Gschloder todesmutig hinunter.

Anmerkung: Gschloder, das
Wienerisch für grausiges Gesöff, unansehnlich im Aussehen, eklig im Geschmack.

Die nächsten Minuten konzentriere ich mich mit aller Gewalt darauf, das Zeug da zu behalten, wo es hingehört. Dann folgen 5 Minuten durchatmen und dann gehts weiter zum nächsten Glas.
Würg.

Madame im anderen Bette hat die Szene rund um sich nach wie vor im Griff, was soviel bedeutet wie: Die armen Schwestern sind keinen Zentimeter weiter in ihren hehren Bemühungen.
In diesem Moment öffnet sich die Tür, ein kleiner, älterer, magerer Mann betritt den Raum, grüßt höflich in die Runde und dreht sich zu Madames Bette um.

Der Vorhang hebt sich, Madames Mimik belebt sich, Trommelwirbel, eine unsichtbare Kapelle spielt einen unhörbaren Tusch. Madame schärft den Blick, fokussiert den kleinen, netten Mann und brüllt mit Stentorstimme:

„ELENDER SCHWEINEHUND!“

Die Schwestern stehen wie Lots Säulen, die Szene gefriert, meine Mutter und ich sitzen mit offenem Mund und ebensolchen, riesengroßen Augen da. Keiner wagt zu atmen oder sich zu bewegen.

Madame richtet sich zu ihrer vollen Größe auf, soweit das sitzend möglich ist, und brüllt noch einmal, mit tiefem Drama in ihrer Stimme, so dass der Boden bebt:

ELENDER SCHWEINEHUND!
WARUM HAST DU MIR DAS ANGETAN!!!“

Aller Augen richten sich auf den kleinen Herrn, der die Hände ringt, dabei seinen Hut würgt, aber ansonsten erstaunlich unbeeindruckt von dieser Rede wirkt.
Aber Schatzimaus, sowas sagt man doch nicht, das gehört sich aber nicht, nein, Schatzimaus, das ist doch nur zu deinem Besten, gell, Schatzimaus, weil du bist ja so krank geworden, dass ich nimmer gewusst hab, was ich tun soll und die netten Schwestern und der liebe Herr Doktor Soundso hier werden dir nun helfen, damit du wieder gesund wirst und dann, Schatzimausi, dann kannst wieder heim und …

Ein schwarzer Blick aus dunklen Augen, die bei genauerer Betrachtung einen leichten roten Rand haben, der sich bei weiterer genauer Betrachtung konstant vergrößert, würgt die zarte Rede ab.

Schatzimausi anim1 - Schräge G´schichten: Schatzimausi und der Schweinehund

 

„Du Hund.“

Das Urteil ist gefällt, der kleine Mann muss es annehmen. Die Schwestern senken das Haupt, sind stumme Zeugen und würden am liebsten im Boden versinken. Das geht leider nicht, also versuchen sie nun weiter das zu tun, was sie die ganze Zeit tun wollten.

Meine Mutter und ich wechseln einen Blick, ich spüle schnell mein zweites Glas hinunter. Popcorn wäre fein, aber wir sind ja nicht im Kino. Nur im Vorstadttheater.

Der kleine Herr Schweinehund nähert sich unbeeindruckt dem Bett und säuselt weiter, in einem konstanten Tonfall, der seine Wirkung nur langsam entfaltet. Madame Schatzimausi ist voll auf ihn konzentriert, die Blicke müssen wie Dolche schmerzen. Aber Herr Schweinehund ist mutig und weicht nicht aus. Die Schwestern schaffen es endlich Madame, Bett und Kleidung so zu richten, wie sie es sich zu Beginn der Prozedur erhofft hatten. Herr Schweinehund spricht sanft weiter und versichert seinem Schatzimausi, dass alles nur zu ihrem Besten geschieht, sie bald wieder gesund sein werden, man ihr Medizin und gute Behandlung anteil werden lässt, sie in guten Händen ist …

ELENDER MÖRDER!

Das vernichtende Urteil hat Madames Mund donnernd verlassen, die Schwestern schnappen erschrocken nach Luft. Mir wäre fast mein drittes Schnecken-Glas aus den Händen gerutscht und ich gurgel es schnell nabelwärts, bevor es mir abhanden kommt.

Nein, mein Mausi, also was du sagst, nein, sowas aber auch, nein, nein, Schatzimausi, ich will dir nur helfen! Niemand tut dir was Böses ...“

Madame Schatzimaus schnaubt ungnädig, ihr Busen wogt, die Bettdecke vibriert und die Schwestern weichen drei Schritte zurück – sie wird sich doch wohl nicht erheben?

Schatzimaus, beruhig dich wieder, sonst musst wieder husten und dein Blutdruck steigt und das ist nicht gut und nein, du kannst nicht aufstehen, das geht doch nicht, dein Rollstuhl ist ja gar nicht im Zimmer, du musst nur ein bisserl Ruh geben, damit du bald wieder gesund bist, deine Medikamente nehmen …

Meine Mutter, die Schwestern und ich atmen kurz auf bei dem Wort „Rollstuhl„. Eine Gefahr weniger. Aber ich fürchte, Madame könnte uns eines Besseren belehren und sich dennoch von ihrem Throne erheben, um als rächende Göttin ihre Blitze und die sieben Plagen auf uns herab zu beschwören. Die Bettdecke zittert nach wie vor.

Ich bemühe mich schnell ein viertes Glas Moét de Schneck wegstecken, sicher ist sicher.

Madame Schatzimausi jedoch hat ihr vernichtendes Urteil verkündet, es steht felsenfest, in Stein gemeißelt. Ihr lieber Mann redet weiter auf sie ein, lässt seinen Singsang wirken. Madame könnte ihn mit einem sachten Wink ihrer Hand gegen Boden und in die Unfallaufnahme schicken. Er steht in ihrer Reichweite, aber ohne Angst, hält wacker die Stellung, unbeeindruckt von ihrer Wut, ihrer Verachtung, ihren tödlichen Blicken, dem Geschnaube und den nun nur noch leise und sehr giftig geäußerten Flüchen.

Das fünfte Glas aus dem Krug des Grauens ist geleert, ich haben fertig. Der Krug kam zu mir als Brunnen, er geht unge- und unerbrochen und ich hoffe, dass dieser Zustand noch eine Weile anhält, damit die Untersuchung störungsfrei ablaufen kann. Meine Mutter verstaut ihr, vor Aufregung, zerdrücktes Taschentuch in ihrer Handtasche, nickt mir aufmunternd zu und meint, dass wir nun zum zweiten Teil des Dramas weitergehen können. Ich deute auf das Nachbarbett, aber sie meint die Untersuchung.

Madame Schatzimausi hat sich soweit beruhigt, dass die Spannung im Zimmer fast wieder Normalniveau erreicht hat. Herr Schweinehund darf sogar ihre Hand halten und streicheln, während er, nun leiser und langsamer, weiter mit ihr spricht. Sie hat beschlossen ihn mit Schweigen zu bestrafen, ignoriert ihn, blickt an ihm vorbei zum Fenster. Die roten Augen haben sich wieder zurückentwickelt.

Meine Mutter und ich verlassen das Zimmer, ich muss zur Untersuchung. Der kleine Herr geht ebenfalls, er hat sein Schatzimausi in die Contenance geredet, so dass nun wieder Friede herrscht und sie sich (vorerst?) in ihr Schicksal zu fügen scheint.

Am Gang nickt er uns zu, seufzt kurz, wirft einen Blick zur Tür und sagt entschuldigend, leise und sehr liebevoll: „Sie war nicht immer so. Sie weiß gar nicht, was sie da sagt. Sie ist eine so wunderbare Frau. Das ist nicht ihre Art … das ist diese Krankheit. Sie ist ein herzensguter Mensch … kann keiner Fliege was zu Leide tun.“ Er lüftet grüßend den Hut und eilt weiter.

Ich schlurfe hinter meiner Mutter Richtung Aufzug und merke, wie sich das Vorstadtdrama in eine bittersüße Romanze verändert. Schatzimausi und ihr herzensguter Schweinehund – eine Beziehung, bei der einem die Worte „in guten, wie in schlechten Zeiten“ auf allen Ebenen bewusst werden. Und uns als demütige Zuschauer mit vielen Gedanken zurücklassen.

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Schräge G´schichten: Der rostige Heiligenschein

Ich hab Verspätung – meine sechste schräge G´schicht in der Kategorie … aber das ist eine andere Geschichte, inkl. dazugehöriger Zeichnungen für die#30SkizzenimNovember, kommt nach einer kurzen Pause. Aus persönlichen Gründen habe ich ein paar Tage ausgesetzt und mir Ruhe geschenkt, zum Durchatmen. Musste sein, das Leben hatte eine Kurve nach unten im Drehbuch stehen. Ich bin dennoch zuversichtlich, dass ich mein geplantes Ziel, nämlich bis Ende November 10 schräge G´schichten mit jeweils 2 Zeichnungen zu veröffentlichen, schaffen werden.

Hier also Nr. 6 und ich muss vorwarnen: die ersten fünf waren heiter bis wolkig, diese hier ist zartbitter bis edelherb. Leben eben. Und wie alle anderen Geschichten: NICHT frei erfunden, sondern so erlebt. Denn das Leben schreibt Geschichten ins Drehbuch, da muss die Fantasie nochmal die Schulbank drücken.

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30 Skizzen = 10 schräge Geschichten – Nr. 6:

Der rostige Heiligenschein

Mir ist übel. Nicht wegen der Schmerzen und Krämpfe im Bauch. Nicht wegen der Medikamente. Auch nicht wegen dem Essen, um das ich aktuell freiwillig und verordnet einen großen Bogen mache, weil mein Darm mir spontan die Mitarbeit aufgekündigt hat und in Stillstand getreten ist.
Mir ist übel vor mangelnder Sympathie. Besser: mir ist schlecht, weil ich zugeschwafelt werde und die Senderin der Botschaften nicht unbedingt auf Platz 1 meiner Sympathieliste rangiert.

Es gibt Liebe auf den ersten Blick. Oder zumindest Sympathie. Also das man sich sieht und denkt, ok, derdiedas ist nett und man könnte ein paar Worte oder mehr austauschen mitsammen.
Und dann gibt es das genaue Gegenteil davon und man hofft, dass der Moment der Begegnung schnell vorüber ist. In meinem akuten Fall stehen die Chancen dafür leider schlecht.

Die alte Dame, die in „mein“ Zimmer eingezogen ist, wäre rein optisch reizend. Putzig, gepflegt, korpulent bis üppig, mit den klassichen Alte-Dame-Wasserwellen am Kopf, die durch den Spitalsaufenthalt schon etwas derangiert sind. Arm ist sie auch, sehr arm. Weil leidend, sehr leidend. Die geplante Tumor-Punktion ist schief gegangen, der Darm wurde perforiert. Tragisch, so etwas kommt leider manchmal vor. Man bekommt es als mögliches Risiko zur Unterschrift vorgelegt und hofft, dass dieses Übel an einem vorübergeht. Bei der alten Dame ist es eingetreten und nun leiden wir. Sie, ich und der Rest der Station.

Sie muss ein paar Tage über die Sonde ernährt werden. Die Heilung schreitet gut voran, Schmerzen hat sie keine mehr, eine weitere Punktion wäre möglich, damit man endlich feststellt, was denn das für ein Tumor ist. Aber sie hat schon beschlossen „das“ nicht mehr machen zu lassen, denn sie wird nun sterben. Hat sie beschlossen.
Was sie mir unaufgefordert munter erzählt, inklusive ihrer Lebensgeschichte, ohne Punkt und Komma. „Stream of Consciousness“ nennt man das, wenn man so schreibt und es ist eine literarische Erzähltechnik. Spannend und leicht anstrengend zu lesen.
Unerträglich und mühsam aber, wenn man es um die Ohren gesagt bekommt und zu wenig Mut oder Kraft hat, um sich dagegen zu wehren.

Wobei nicht explizit die Lebensgeschichte mühsam ist oder das Drama der misslungenen OP. Es ist die alte Dame an sich. Ihr Leben war so toll und so schön, sagt sie, so voller Glück und schöner Momente und sie hat ja auch immer mit vielen wichtigen – nein: mit den HÖCHSTEN! – und besten Menschen zu tun gehabt, für diese arbeiten dürfen, hatte Kontakte in die HÖCHSTEN und besten Kreise und das war oberhammeraffengeil (mein Wort, nicht ihres. NIEMALS ihres.). Sie war so gesegnet, so glücklich, immer am guten Weg und darum geht sie nun gern ins Sterben, auch in den Tod, wenns sein muss..

Weil operieren lässt sie sich niemals nimmer nicht mehr. Sieht man ja, wohin das führt. Nur Qual und ihr Essen muss sie nun über den Schlauch konsumieren. ÜBER EINEN SCHLAUCH! Dass es sowas gibt! Das man das kann! Essen über die Infusion! Mit einer Maschine! Einen ganzen Beutel für zwei Tage! Und trinken darf sie nur ein paar Schlucke Wasser, für die Tabletten. Unglaublich. Und den ganzen Infusionsständer muss sie dauernd mitschleppen, wenn sie wohin geht. Sogar aufs Klo. Und in die Dusche.
Aber duschen kann sie ja nicht, denn das darf ja nicht nass werden. Was für ein Elend. Das ist gegen die Natur, so soll man nicht Essen müssen. Oder duschen. Also nicht-duschen.

Und ob ich weiß, wie man den Fernseher aufdreht. Weil nachmittags um 4 läuft ihre Lieblingsserie und am Abend die Nachrichten. Das wäre schön. Das würde sie gern sehen.

Heiligenschein 2 - Schräge G´schichten: Der rostige Heiligenschein

Ich bin platt, paralysiert und habe Ohrensausen. Das Wochenende habe ich – unfassbares Glück! – allein in diesem Zimmer verbracht. Die Geräusche des Krankenhauses gedämpft wahrgenommen, und in einem heilsamen Ruhezustand mit meinen Magenkoliken verhandeln können. Der Redeschwall, der seit dem Eintreffen der alten Dame über mich hereingebrochen ist, ist mir schlicht zu viel. Soviel Information auf einmal – ich bin noch dabei die erhaltenen Sätze von vor 5 Minuten zu verarbeiten und unterdrücke tapfer den Reflex, auf ihre flotten Aussagen betreff Sterben und aus-dem-Schlauchessen zu antworten … und werde in einem fort mit Worten weiter zugeschüttet. Langsam wird die Luft knapp. Meine Nerven wimmern panisch.

Ich will nicht reden, ich will Ruhe.  Mir tut einfach alles weh, der Bauch, die Muskeln, der Kopf … aber vor allem die Ohren, die langsam zu klingeln beginnen und das Alarmsignal der Überlastung weitergeben, weil zu viel und zu laut. Denn sie ist schwerhörig und trägt ihre Rede mit Amphietheaterstimme vor. Man kann sie auch im Nachbarzimmer noch gut hören.

Sie wurde übersiedelt, von einem 6er-Zimmer hierher, in „mein“ 2er-Zimmer. Aber glücklich ist sie nicht darüber, nein, ganz und gar nicht. Das Zimmer drüben war schön, groß, mit einem Fernseher. Aber es ging ihr nicht gut und darum hat sie die Serie nicht vermisst. Aber hier wäre das doch sicher möglich. Wo sie doch auch gegen ihren Willen hierher transferiert wurde, aus dem schönen Zimmer weg musste. Das war so toll dort, aber dann hat man ihnen die dicke Negerfrau hineingelegt. Wegen der musste sie raus aus dem Zimmer. Wegen der ist sie nun hier. Das ging einfach nicht mehr. Leider. Die dicke Negerfrau hat sie so gestört. Unglaublich war das mit der. Also weniger mit ihr, als mit ihrer Familie. Alle da. ALLE! Jeden Tag! Also die 2 Tage, seit sie eingeliefert wurde. Also seid gestern, um es genau zu sagen. Und auf die Frau eingeredet haben sie. ANDAUERND. Die ganze dunkle Familie. Einfach unglaublich. Dauernd hat wer geredet. Unerträglich war das. Da kam man ja selber kaum zu Wort.

Und was ist nun mit dem TV? Ob ich wüßte, wie man das einschaltet? Und ob ich was dagegen hätte, wenn sie ihre Serie sehen könnte, wo sie schon mal da ist und da wenigstens ein TV ist, in diesem Zimmer.

Mein inneres Helfer-Ich war mental schon am halben Weg zur Fernbedienung. Beim Wort „Negerfrau“ ist es stehen geblieben, hat umgedreht und schaut nun beim Fenster hinaus.
Da ist eine verzweifelte Wespe, die flüchten will.
Ich kann sie verstehen.
Während mein Helfer-Ich mein Ich-Ich motiviert aufzustehen, um die Wespe beim Fenster rauszulassen – „Erschlagens das grausliche Viech, dann hamma Ruh. Am Ende werden ´s noch gestochen!“ – erkläre ich sehr bedauernd, dass ich selbst keinen Fernseher mehr habe, weil zuviel Stress, Reizüberflutung, nur Schmarrn und bad News zu sehen und Ruhe brauch ich auch. Aber vor allem habe ich leider keine Ahnung, wie man das Gerät hier einschaltet. Und sorry, aber ich muss jetzt ganz schnell aufs Klo.

Den Rückweg zögere ich hinaus. Drehe eine Runde durch die Station, gehe gedankenlos den Gang hinauf, zu den großen 6er-Zimmern. Wo eine betroffene Oberärztin den Angehörigen der alten, südländischen Dame, die vor kurzem eingetroffen ist, erklärt, dass man nur noch die Schmerzen stillen könne, sie umsorgen kann und „es“ vermutlich nicht mehr lange dauern wird. Man werde versuchen, ein ruhiges Zimmer für sie zu finden.
Tränen fließen, Hände werden gerungen, umklammern andere. Eine Familie im Ausnahmezustand.

Mir ist schlecht. Richtig schlecht. Ich spüre Tränen und Magensäure aufsteigen und weiß nicht, ob aus Wut oder wegen der greifbaren Trauer.
Es tut weh hinzusehen. Es tut weh es hören zu müssen und lässt sich doch nicht vermeiden. Der Gang ist zu eng hier, ich bin schon zu nah und habe zu spät gemerkt, was das für ein Gespräch ist. Eine junge Frau blickt zu mir herüber. Tränen im Gesicht, Tränen in den Augen. Unser Blicke treffen sich und ich nicke ihr leicht zu. Sie nickt zurück, hat die Botschaft verstanden und sich bedankt. Ohne Worte.

Im Zimmer retour fürchte ich eine weitere Redelawine. Aber die Krankenhaus-Seelsorgerin ist da und bekommt die Lebensgeschichte frisch serviert. Im ausführlichen Modus, mit allen Unterkapiteln und es werden nun auch Namen genannt. Also NAMEN! Von den HÖCHSTEN! Die Seelsorgerin ist eine bessere Zuhörerin als ich, gibt an passenden Stellen bedauernde Seufzer und mitfühlende Worte von sich, wofür ich sie rückhaltlos bewundere.
Ob ein Priester gewünscht wird, ist eine Frage, die sie in einer Redepause stellen kann. Und ob man der armen Frau für die Zeit, die sie im Krankenhaus sein müsse, täglich die Kommunion bringen solle. Ein Strahlen geht über das Gesicht der alten Dame, ein Glückslaut entfleucht und sie bedankt sie überschwenglich. Denn nun geht es ja ans Sterben, das muss so sein und sie hat keine Angst, denn das Leben war so gut zu ihr, hat ihr so viel gegeben. Sie geht mit leichtem Schritt und fröhlich. Und nun auch mit priesterlichem Segen und der heiligen Kommunion, täglich frisch serviert.

Mein Sarkasmus brennt mit Magensäure in meinem Hals um die Wette. Ich würge beide hinunter, ebenso den Spruch „So schnell stirbt es sich nicht„. Sie würde es nicht verstehen, vermutlich nicht mal hören. Hier steht kein Tod am Krankenbett, auch nicht im heiligen Schatten. Er ist am Ende des Ganges beschäftigt, im großen, „schönen“ 6er-Zimmer, wo eine Familie weinend die Hände ringt.

Ich nehme meine Kopfhörer raus und suche im Internet ein bestimmtes Lied, dass ich in Gedanken seit ein paar Minuten in Gedanken immer wieder höre – rostige Flügel. Alt und absolut „not my kind of town“, aber ich brauch das jetzt.
Und während die ersten Klänge meinen Gehörgang gegen den Redeschwall der alten Dame abdichten, überlege ich, ob auch ein Heiligenschein Rost ansetzen kann und was es braucht, damit er das tut.

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