Schlagwort: Cartoons

Briefe aus dem Leben mit CED, Cartoons

Happy Halloween

Long time no see, wie man heute so schön sagt – lange nicht gesehen … oder gelesen, gehört, geschrieben. Tja, was soll ich sagen/schreiben – es war eine stürmische, traurige, wirbelwindige, schmerzhafte und intensive Zeit, seit meinem letzten Blogbeitrag im Dezember 2022.

Geplant war die Pause so nicht, zumindest nicht so lange. Aber am Ende der meisten Tage war einfach keine Zeit und keine Kraft mehr über für das, was nicht dem Überleben dieser Tage gegolten hat. Das Leben hat mir schlichtweg eine andere To-Do-Liste diktiert also die, die ich mir gewünscht hätte. Es gab Abschiede, Operationen, Veränderungen, Erschöpfung, Reha, neue Therapien, neue Begegnungen, weitere Veränderungen und vieles, vieles mehr.
In diesem Lebens-Chaos fanden sich weder Zeit noch Lust, noch Ideen um meinen Blog mit dem Inhalt zu füttern, der dir, geschätzte Leserin, geschätzter Leser, zumutbar und schmackhaft wäre.

Nun neigt sich das Jahr 2024 sanft Richtung Ende und es ist die Zeit von Halloween. Das hat meine Kreativität völlig spontan (und ganz klassisch nächtens) in Richtung Kürbis a la Crohn getriggert. Womit ein Strich den anderen ergab und am Ende war eine crohnische Halloween-Deko beisammen, die für alle mit CED ein realistisches Horrorszenario darstellt.

Das Zeichnen dieses Cartoons hat Spaß gemacht, so richtig Spaß, endlich wieder. Nach langer Zeit, wo der Griff zum Stift nur ein „Warum“, aber keine Ergebnisse geliefert hat. Ich hab mich bei diesem Cartoon wie früher im Zeichnen verloren, neu gefunden, Freude und Trost, Antworten und Erkenntnisse entdeckt. Klingt nach schwerem esoterischen Tiefengesulze, ist aber genauso gemeint.

Mag sein, dass der Grund dafür das neue Zeichenprogramm war, in das ich vor Wochen regelrecht hinein gekippt bin, das mich zum Skribbeln, Krakeln und Kritzeln motiviert hat. Was unerwartet die Freude an diesen Dingen wachgeküsst hat.

Mag sein, dass es der Besuch meiner Freundin Angelika war, die mich im Sommer mit ihrem Freiraumbus beehrt und mit tiefen, wundervollen Gesprächen regelrecht beglückt hat. Sie war auf Lesereise in Österreich, hat als Freiraumfrau ihr neues Buch vorgestellt, und wir haben die Gelegenheit genutzt, unsere primär online verlaufende Freundschaft mit erfrischenden offline-Tagen zu feiern. Angelika ist Künstlerin, Muse, Innenarchitektin, Motivatorin, Coachin und noch vieles mehr – und sie zeichnet schon viel länger, intensiver und dauerhafter als ich. Und vielleicht hat mich das getriggert und vielleicht war das der Grund, warum ich das neue Programm (siehe oben), das sie schon Jahre benutzt, selber ausprobieren wollte.

Mag sein, dass sich im Universum neue Ideen gefunden haben, die eine Empfängerin gesucht haben und dabei über mich gestolpert sind. Ideen, in der Mehrzahl – denn neben der Halloween-Deko aus dem Crohniversum sind da noch andere Funken aufgeploppt, die sich vielleicht demnächst im Blog finden werden.

Mag sein, dass es einfach Zeit war, wieder aktiv zu werden, nachdem diese Zeit des Trauerns, der Schmerzen, der inneren und äußeren Wirbelwinde und was da noch alles war … vorbei ist und eine andere, neue Zeit heraufdämmert.

Halloween ist eines der Feste im Jahr, die ich wirklich liebe. Ich mag es, wenn die Kinder verkleidet von Haus zu Haus ziehen. Ich mag das Orange der Kürbisse, liebe Orange in allen Versionen und Interpretationen und der Herbst heuer beglückt mich mit diesen Farben grad ganz besonders. Ich liebe auch den Nebel, liebe Spaziergänge im Nebel, wenn er mich wie Watte umwickelt und mir eine gänzlich andere Welt zeigt, in der alles neu und anders ist.

Halloween ist für mich die Kombination aus gemütlich und kreativ, aus Nebel und Orange eben. Ein alter Zyklus endet, ein neuer beginnt – auch das ist Halloween. Im Kalender unserer Vorvorvorfahren hat das Jahr mit diesem Fest begonnen. In gewisser Weise tut es das auch bei uns noch. Also ist das auch ein guter Zeitpunkt, um ein Lebenszeichen auszuschicken, mit herzliche Grüßen und der Hoffnung, dass es dir, liebe Leserin, lieber Leser, gut ergangen ist in der Zeit, als mein Blog einen intensiv verlängerten Winterschlaf gehalten hat.

Ich wünsch dir jedenfalls ein echt Happy Halloween und dass die Horrorszenarien aus dem Cartoon im echten Leben einen großen Bogen um dich machen!
Und ich denke, dass bis zum nächsten Blogbeitrag keine zwei Jahre vergehen werden 😉 In meinem Ideen-Ordner hat sich einiges angesammelt, das ich mitteilen mag. Unter anderem die Kombination aus Crohn und Wechsel (Menopause) – und welche Lösungen ich für mich gefunden habe, um dieser Beziehung die Brisanz zu nehmen. Dann gilt es noch am Therapie und OP-Sektor einen Kassasturz zum machen: Welche sind neu hinzugekommen, welche hätte ich mir rückblickend ersparen können?

Auch nach vielen Crohn-Jahren hat der alte Mistkerl noch immer einige Special Effects auf Lager, mit denen er mich zum Staunen (und Fluchen) bringt und vielleicht helfen dir meine Erfahrungen, besser mit den deinen umzugehen.

Aber nun heißt es erstmal Happy Halloween!
(Und ich freu mich, wenn du mich wissen lässt, wie es dir in den letzten beiden Jahren ergangen ist :))

Allgemein, Cartoons

Phil-klo-sphie: Über den Geburtsort manch kreativer Gedanken

Manche behaupten, die besten Ideen hätten sie beim Duschen oder Zähneputzen gehabt. Gelehrte Menschen merken dann gerne an, dass man eben da alleine mit sich und nicht abgelenkt ist, womit die Kreativität Zeit und Raum zum Landen hat. 

Für Menschen mit CED ist der Ort, wo man am häufigsten ganz mit sich alleine ist und die Gedanken frei herumfliegen können, das Klo. Vermute ich, wenn ich von mir auf andere schließe.

Die Qualität der Gedanken ist denen beim Duschen ähnlich. Wenn auch die Anzahl verwertbaren Gedankenguts geringer geworden ist, seit man auf den meisten Toiletten akzeptablen Internetempfang hat. Der chronisch entzündliche Haupttatort ist das sogenannte „Häusl“.  Hier sind wir unter uns, jede/r für sich, mit dem gesamten inneren Team. Ungestört, einsam und alleine. 

Wenn man sich nicht aufs Handy konzentriert, haben die Gedanken frei, da der Körper die Hauptrolle übernimmt und die Aussicht rundum überschaubar ist. In Schubzeiten ist diese gedankliche Freiheit von Schmerzen und dem blockiert, was sich einem ungefragt in den Kopf denkt und das sind nicht immer nette Dinge. Doch in Remissionszeiten und den „nicht ganz Schub, noch nicht Remission“-Phasen dazwischen hat man mehr als genug Zeit um alle Gedanken, die man irgendwann mal begonnen hat, in Ruhe zu Ende zu denken. Fallweise finden sich da überraschende Wendungen, schnulzige Happy Endings und mehr als nur eine kreative Luftblase, die bei Betätigung der Spülung vielleicht schon wieder zerplatzt. Schön war sie dennoch und da Gedanken bekanntlich frei sind, durfte sie sich hier, am stillen Ort, gefahrlos ausbreiten. Es gibt schlimmere Nebenwirkungen, die bei einem chronisch-entzündlichen Klogang entstehen können. 

Damit bekommt das stille Örtchen für manche Menschen eine kreative Aufwertung, wenn man so will. Schließlich begann jedes Kunstwerk auf der Welt, jede geniale Erfindung irgendwann mit dem ersten, kreativen Gedanken. Im Smalltalk kommt es allerdings nicht so gut, wenn man den geografischen Geburtspunkt einer genialen Idee mit „am Klo gefunden“ definiert. 

Warum nur ist das Klo so ein negativer Ort, im gesellschaftlichen Sprachgebrauch? Ich glaube, dass es jedem bewusst denkendem Menschen klar und logisch erscheinen sollte, dass man das, was man oben reinfüllt, irgendwann auch wieder unten abgeben muss. Sofern der Weg zwischen oben und unten frei und durchgängig ist. (CED-Menschen wissen, dass sich da mitunter Hürden auftun können, aber das ist ein anderes Thema). Meine liebe, selige Schwiegermutter meinte bei einer randvollen Windel ihrer Enkelkinder stets lapidar: „Sind wir froh, dass es gut funktioniert.“ 

„Das“ war in diesem Fall die Verdauung und ja, das ist ein wunderbarer Grund zur Freude, wenn die gut klappt. Die Freude über dieses Wunder der Natur wissen besonders jene zu schätzen, die das Gegenteil nur zu gut kennen. 

Die Wertschätzung dieser unvergleichlich wichtigen Körperfunktion hat im Laufe der Geschichte einen krassen Paradigmenwechsel erfahren. Im alten Rom saß man noch in Gruppen gemeinsam, gemütlich und oft sehr lange am Donnerbalken. Beim fröhlichen Gruppenkacken wurden nicht nur Geschäfte verrichtet, sondern auch neue angebahnt. Der Spruch „Geld stinkt nicht“ (Pecunia non olet) stammt übrigens von Kaiser Vespasian (69 – 79 n. Chr.), der mit diesem Zitat die Besteuerung der Bedürfnisanstalten verordnete und damit die hygienischen Zustände verschlechterte (weil man dann lieber andernorts und gratis ihr-wisst-schon-was). 

Heutzutage Zeit versuchen israelische Wissenschafter den Klogang erneut kommerziell zu verwerten. Sie träumen davon, eine Toilette zu entwickeln, mit der man Energie gewinnt statt sie zu verbrauchen. Die Wundermuschel soll aus dem, was so verpönt ist, innerhalb kurzer Zeit Kohle entstehen lassen. Das ist an sich auch ein natürliches Ausgangsmaterial für die Entstehung von Kohle. Allerdings dauert es normalerweise viel länger. Das israelische Wunderklo soll das in weniger als zwei Stunden erledigen können. Neben der Reduktion von Treibhausgasemissionen erzeugt man mit diesem Verfahren sogar einen Energieüberschuß. 

Sobald dieses Wunderklo marktreif wird, hat es einen Stammplatz bei mir und ich tretet in direkter Konkurrenz zur Photovoltaikanlage am Dach. Vielleicht reicht es nur für ein wärmendes Feuerchen im Kamin, egal. Hauptsache die Sitzung am heiligen Ort hat ein Ergebnis, das nicht nur meine Gastroenterologin und mich erfreut (oder erschüttert, je nach Status).

Der weiße Porzellanthron, den weiland schon der Kaiser allein und in Abgeschiedenheit bestieg, und die dort erfolgende Verrichtung haben im Laufe der Zeit also einen sehr weiten Weg durch die gesellschaftlichen Werte erfahren. Heutzutage spricht man nicht darüber. Es ist pfui. Das Örtchen selbst muss still, stets sauber und optisch unbenutzt wirken. Als wäre es reine Dekoration. Die Tätigkeit an sich sollte ebenso erfolgen, vor allem still und unauffällig. Was, wie nicht nur CED-Menschen wissen, meist ein Ding der Unmöglichkeit ist. Weswegen wir alle immer so tun, als wäre da nix. 

Gar nix. Weder zu sehen, noch zu hören, noch zu … egal.
Da ist nix. 

In Japan gibt es Toiletten die Musik spielen oder man hört ein liebliches Bächlein rauschen, damit man nur ja nix von dem hört, was man unter keinen Umständen hören soll.  Nonchalant drücken es die feinen Engländer aus. Da geht man nicht aufs Klo. You go and wash your hands. Und das dafür zuständige Örtchen ist der „Washroom“. Die eher veraltete deutsch-europäische Version dieser Phrase war für Menschen weiblichen Geschlechts das Pudern der Nase. 

Zurück zum Fundort kreativer Gedanken: Wenn ich gefragt werden, wo und wie ich zu meinen Ideen kommen, beim Schreiben oder Zeichnen, und wie ich auf die Idee kam ein Buch zu schreiben bzw. wo der Inhalt dieses Buches seinen kreativen Geburtsmoment hatte, dann antworte ich meist neutral mit „… bei der Morgentoilette“. Das ist nicht gelogen und kaschiert den tatsächlichen Tatort ausreichend. Sensible Gemüter sehen vor ihrem geistigen Auge die Dusche, andere schlussfolgern Zähneputzen oder Haare zwirbeln.  Auch der Zeitraum passt, denn selbst wenn der Gedanke später am Tag kam oder gar nächtens: Irgendwo auf der Welt ist immer Morgen. 

Würde ich hingegen mit „die Idee dazu kam mir am Klo“ antworten, wäre das vielleicht noch bei pubertären GesprächspartnerInnen ein Bonmont. Alle anderen würden es mit der Tätigkeit an besagtem Ort verbinden. Das wäre dann im buchstäblichen Sinn Scheiße und das ist vermutlich keine gute Idee.


Dieser Text und der dazugehörige Cartoon sind vorweg im ÖMCCV-Crohnicle Mai 2022 erschienen.

Allgemein

Alle Jahre wieder: Welt-CED-Tag

Es ist soweit: Nach den Eisheiligen kommt er an die Reihe und er trägt lila. Der Welt-CED-Tag am 19. Mai erinnert daran, dass es Erkrankungen gibt, die nicht nur Sche*** sind, sondern ihren Ursprung auch da haben, wo dieses Stoffwechselendprodukt entsteht. Der Tag der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, CED auf deutsch und IBD (Inflammatory Bowel Disease) wird seit vielen Jahren „gefeiert“ und sorgt für das, was man neu-deutsch mit „Awareness“ umschreibt.

Ich habe ein grundsätzliches Problem mit jedweden Gedenktagen und stehe ihnen sehr ambivalent gegenüber. Das Gefühl, dass die Mehrheit sich denkt, mit einem Tag wäre dann alles getan, um diesem Thema Aufmerksamkeit zu geben, konkurriert mit dem, dass es immerhin gut ist, wenn zumindest einen Tag intensiv darauf aufmerksam gemacht wird. Doch die Chance, dass man mit den Aktionen und Beiträgen wieder ein paar Menschen erreicht, denen die Info neu ist oder hilft, wiegt meine spröden Anti-Gedanken mehr als auf.

Darum unterstütze ich von Herzen alle, die an diesem Tag dafür sorgen, dass die Message gespreadet wird (ich mag denglish ;-), die Awareness pushen und sich mit lila Gadgets und Outfits zum Thema bekennen – Go! Go! Go!

Ich hab es aus persönlichen Gründen heuer nicht geschafft irgendwo dabei zu sein, mitzumachen oder was zu organisieren. Im aktuellen Chaos meiner einer bin ich schon happy, dass ich diesen Beitrag hier online stellen kann und das sogar termingerecht. Darum im Folgenden nun eine unkomplette und viel zu kurze Liste von empfehlenswerten Plattformen, Accounts und Aktionen rund um diesen Tag.

Wenn du eine kennst, die ich nicht kenne (was sehr leicht möglich ist), dann schreib es bitte in die Kommentare! Innigen Dank <3 

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CED-Kompass: Eine tolle Serviceplattform für alle mit CED

CED_Aktuell: Hier findet interessante und neue Forschungsergebnisse rund um CED, leicht verständlich erklärt. Wird vom deutschen Gesundheitsportal betrieben.

CED-trozdem-ich: Die haben anlässlich des CED-Tages eine Kampagne laufen, die ich persönlich sehr toll finde, weil es auch zunehmend zu „meinem“ Thema wird: CED kennt kein Alter – Wow!

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Leben mit CED – meineced.de: Tipps und Infos rund um das Leben mit CED, von Janssen-Cilag GmbH

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