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Cartoons, Kranke Geschichten - Strange Stories

Schräge G’schichten: Zusammenfassung

Im November 2019 habe ich wieder bei der Zeichen-Challenge #30SkizzenimNovember von Angelika Bungert-Stüttgen, der Freiraumfrau, teilgenommen. Angelika will uns damit inspirieren beim Zeichnen dranzubleiben und täglich etwas zu tun – was ein Supertraining ist. In virtueller Gesellschaft mit anderen, so dass man sich nicht allein „durchkauen“ und motivieren muss, bringt das jedesmal einen schönen Kreativschub und am Ende des Monats merke ich, dass ich wieder ein gutes Stück weiter bin.

Heuer wollte ich vor allem schneller werden. Da ich mich oft in Details verliere, die mich endlos Zeit kosten, war mir das schon lange ein Anliegen. Zugleich aber wollte ich auch beim Schreiben ein Stück schneller und konkreter werden. Außerdem lagen da noch ein paar Ideen für Kurzgeschichten rum – Erlebnisse, die ich im crohnischen Leben hatte und die im Grunde wenig mit Morbus Crohn, aber viel mit dem Leben im Spital und dem Dasein an sich zu tun haben. Leben eben, wie ich es gerne nenne. Kleine Begebenheiten, die einem das Leben als Kirsche auf dem Sahnehaufen seiner Seltsamkeiten kredenzt. Vielleicht, damit man den trockenen Kuchen darunter leichter runterschlucken kann. Es sind auch Geschichten, die es nicht in mein Buch „Shitstorm im Darm“ geschafft haben und so eine Veröffentlichung bekommen sollen.

Angelika hat für die 2019er-Challenge eine Liste mit Themen rausgegeben, an der man sich orientieren konnte. Ich habe mich dann aber entschlossen, meine beiden Challenge-Wünsche zu kombinieren und die Herausforderung für mich dementsprechend anzupassen: an drei Tagen sollte jeweils eine Kurzgeschichte entstehen – an zwei Tagen jeweils eine Zeichnung, am dritten die Geschichte (geschrieben) dazu. Denn man kann ja auch mit Worten Bilder entstehen lassen.

Die wahre Herausforderung war dann das Tempo beizubehalten, als sich das Leben mal wieder in die Kurven legte. Ein lieber Freund, den ich gemeinsam mit anderen begleitet habe, starb in dieser Zeit. Meine Schwiegermutter war genau einen Monat davor verstorben. Zwei weitere Todesfälle kamen im nahen Umfeld dazu …
Meine Zeichenlaune war enden wollend, ich war zutiefst erschöpft, unfassbar traurig und zugleich war so viel zu tun in Zusammenhang mit Begräbnissen, Verabschiedungen und diesbezüglichen, organisatorischen Dingen.

Drei Tage setzte ich aus … und mich dann wieder an den Tisch, mit zusammengebissenen Zähnen – denn ich merkte, dass die Reise in die Geschichten in erster Linie mir gut tat. Das Zeichnen der Themen, das Formulieren der Erzählungen und der Zusammenbau, bis hin zur fertigen Kurzgeschichte entführte mich in eine heitere Welt, ließ mich beim Schreiben und Zeichnen lächeln und half mir, die tiefe Traurigkeit rundum ein wenig leichter für mich zu machen.
Ich gestehe, dass ich vermutlich am meisten über meine Geschichte gelacht habe – es war ein Riesenspaß sie zu verfassen, trotz der düsteren Zeit.

Trotz der Pause habe ich es dann geschafft meine 10 geplanten Geschichten in 30 Tagen fertig zu stellen. Und da war ich dann doch sehr stolz und froh. Das Schwierigste daran war allerdings zu entscheiden, welches Erlebnis „hinaus“ durfte.
Es sind alles durch die Bank echte Erlebnisse, nichts wurde erfunden. Ich habe lediglich die Worte zur Verfügung gestellt, um sie zu erzählen. Mag sein, dass ich da hin und wieder die Formulierung dahin gehend so gewählt habe, um die Dramaturgie ein wenig zu straffen 😉 Aber es wurden keine Geschichten erfunden, die Figuren gab und gibt es.

Herausgekommen ist ein heiter-bittersüßer Streifzug durch das ganz normale Leben im Krankenhaus, wo es genauso menschelt, wie anderswo. Und ich habe festgestellt, dass mir das Schreiben solcher Geschichten irr viel Spaß macht, Freude bringt und der Funke öfters auch übergesprungen ist – denn die Rückmeldungen waren sehr positiv. Auch andere konnten über die Erzählungen einen Ausflug in Richtung Lachen machen. Noch kann ich gar nix sagen, aber vielleicht wurde mit diesen 10 Geschichten der Grundstock für etwas Neues gelegt 😉

Hier aber nun die Übersicht meiner Stories, als Zusammenfassung und mit allen Bildern.

Alle aktuellen schrägen G´schichten sind hier zu finden:
… ABER DAS IST EINE ANDERE GESCHICHTE

  1. Das ungeklärte Mysterium der orangen Ananas-Socken
  2. Frau Doktor der dunklen Strümpfe
  3. Das mürbe Kipferl der Auferstehung
  4. Der herrliche Einhornschwamm
  5. Der traurige Haken
  6. Der rostige Heiligenschein
  7. Schatzimausi und der Schweinehund
  8. Hunger auf Geschmack
  9. Spaziergang der Kuscheltiere
  10. Ungeklärte Fragen

Ich wünsch beim Reinlesen viel Spaß und hoffe dich mit einem kleinen Grinsen anstecken zu können – auch wenn manche Geschichte dann doch ein wenig bittersüß und zartherb endet. Leben eben, wie gesagt.

Shitstorm im Darm

Mein Buch „Shitstorm im Darm“ – gut leben trotz Morbus Crohn

Im November 2018 erhielt ich eine Anfrage vom Humboldt-Verlag, ob ich nicht Lust hätte, einen Ratgeber rund um das Leben mit Morbus Crohn zu schreiben … und mit meinen Zeichnungen zu versehen. Meine Freude war immens – und wie ich Lust hatte!

Mit Jänner 2019 begann ich am Manuskript zu arbeiten, Ende Juli gab ich das fertige Konvolut ab. Im zweiten Halbjahr begannen die Verlagsarbeiten, es wurde lektoriert und gekürzt, wir haben es überarbeitet, feingeschliffen, poliert und schlussendlich dann zu einem fertigen Buch gebacken.

Und nun ist es soweit:
Anfang Jänner 2020 erscheint mein Buch „Shitstorm im Darm – gut leben trotz Morbus Crohn!

Es ist ein Mutmachbuch, für Crohn-Newbies und Lang-Crohnies gleichermaßen, und es ist ein Buch für Angehörige und Freunde von Crohn-Betroffenen. Mit vielen Infos und Tipps, rund um das Leben mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung, sowohl was den medizinischen Bereich betrifft, aber auch für den Alltag und die vielen großen und kleinen Hindernisse, die der liebe Herr Crohn einem in den Weg legen kann.

Es ist das Buch, das ich mir damals gewünscht habe, als ich die Diagnose erhielt und nicht wußte, was auf mich zukam, weder medizinisch, noch lebenstechnisch.

Man kann es jetzt schon vorbestellen und es wird überall, wo man Bücher kaufen kann, erhältlich sein (wirklich ÜBERALL 🙂 ).
Hier findet ihr alle Infos:

Shitstorm im Darm – Gut leben trotz Morbus Crohn

Cartoons, Kranke Geschichten - Strange Stories

Schräge G´schichten: Ungeklärte Fragen

HALLELUJA! Die 10. Geschichte ist pünktlich fertig, ich habe meine Verspätung aufgeholt und damit habe ich mein persönliches November-Goal erreicht: 10 Geschichten, mit jeweils 2 Zeichnungen – macht 30 Skizzen (weil man ja auch mit Worten Bilder entstehen lassen kann) und das war das Ziel der #30SkizzenimNovember, der Zeichen-Challenge der Freiraumfrau.

Ich freu mich und bin nun doch ein bisschen sehr stolz auf mich. Auch wenn diese Geschichte eigentlich eine traurige ist. Vor allem weil eine wichtige Frage nicht geklärt werden konnte.

Alle Skizzen, von anderen und von mir, findet ihr auch auf Instagram, Facebook oder Twitter unter dem Hashtag #30SkizzenimNovember, meiner ist zusätzlich #schrägeGschichten.

30 Skizzen = 10 schräge Geschichten – Nr. 10:

Ungeklärte Fragen

Also das hat mich noch niemand gefragt …
Meine Ärztin starrt mich irritiert an. Wenn es eine Steigerung für fassungslose Verwunderung gibt: Sie sitzt mir gegenüber. Und sie ist sprachlos. Zumindest kurzfristig.
Ich gestehe, ich habe keine Ahnung …“ setzt sie fort und beginnt sichtlich zu grübeln.

Ich gebe zu, meine Frage war ungewöhnlich. Aber doch auch verständlich. Die liebe Frau Doktor hat mir ein paar Wochen zuvor einen Teil meines Dickdarms entfernt, aus wichtigen, crohnischen Gründen (eine andere Geschichte). Die OP war erfolgreich, mir ging es schlagartig besser, die Wundheilung schritt heiter voran und heute war Kontrolltermin. Zu dem ich meine, mir wichtige Frage mitgebrachte habe: Wo denn der herausgeschnippelte Teil gelandet ist?

Wir sitzen uns gegenüber und ich merke, dass ich mit meiner Frage chirurgisches Neuland betreten habe. Die Antwort ist noch nicht gefunden, es war noch kein Thema für irgendwen – frei nach dem Motto: aus dem Bauch, aus dem Sinn.

Der Hintergrund für mein Wissen-Wollen ist intim-spiritueller Natur. Was, wenn die Sache mit dem jüngsten Tag irgendwann doch akut wird und man dann mit seinen kompletten Körperteilen antreten muss, um das zu tun, was an diesem Tag auf der Tagesordnung steht?
Ich halte mich nicht für besonders religiös (weil ich noch keine Religion gefunden habe, bei der meine Vorstellungen passend wären), aber doch ein wenig oder mehr spirituell und irgendwie ist da auch ein Ordnungstrieb in mir: Ich würde gerne wissen, wo meine Körperteile landen. Auch wenn der jüngste Tag nur ein nischenreligiöser Marketinggag sein sollte.

Es hat etwas von Selbstfürsorge. Immerhin sind mein Darmteilchen und ich lange Jahrzehnte durch dick und dünn gegangen (Schlechter Wortwitz, ich weiß. Und Achtung, es geht so weiter:). Wir haben gute und schlechte Zeiten gehabt und am crohnischen Schlachtfeld ist mein Darmteilchen irgendwann zu einem Kollateralschaden mutiert, was eine Trennung notwendig gemacht hat – die Differenzen zwischen ihm und mir waren unüberwindbar. Im wahrsten Sinn des Wortes: Es hatte sich eine Stenose, eine Engstelle gebildet. Der Tunnel war immer enger geworden und damit ich nicht vorzeitig ins Licht am Ende einer anderen Röhre gehe, wurde schnippisch gekontert.

Doch ich hätte mich im Anschluss gerne irgendwie von ihm verabschiedet und vielleicht dann und wann einen Besuch gemacht, ein paar Blümchen an die Stelle gelegt, wo er-es nun liegt und über die guten Zeiten und den damit verbundenen Nachtisch geredet.
Nur wo?

Meine Chirurgin meinte, dass er nach der Op in die Pathologie gebracht wurde und danach … entzieht sich der weitere Verlauf ihrer Kenntnis.
Aber ich werde mich erkundigen und nun werfen wir vielleicht einen Blick auf die Narbe, denn wegen dem sind Sie ja schlussendlich hier.
In meinem Inneren bin ich ja schüchtern und erkenne schnell, wenn jemand einen finalen Themenwechsel vorschlagt und keine Umkehr zum ursprünglichen Gegenstand der Diskussion wünscht. Das Thema ist in mehrfacher Hinsicht vom Tisch.

Allein daheim grüble ich weiter. Denn dieses Problem der verlorenen, in der Welt verstreuten Körperteile betrifft ja auch andere, vor und nach mir. Zum Beispiel die Vielzahl der Heiligen, deren Knochen für diverse Reliquien verwendet wurden. Manche kommen in Summe gesehen zwar auf drei Hände und 24 Finger, andere vermissen dafür nur ein Zungenbein und so gut wie alle müssten ihre Knöchelchen erst aus irgendwelchen Samtverzierungen und Schreinen lösen, eventuelle Goldlegierungen abschaben, ehe sie ans finale Zusammenpuzzeln gehen könnten.
Das sind wahrlich keine schönen Aussichten und nicht nur deswegen vermute ich, dass es wahrscheinlich egal sein wird, ob man komplett auf den Tag des jüngsten Gerichts wartet oder mit deutlich weniger als 100% seiner physischen Körperteile auf die andere Seite wechselt. Aber ich wäre mir gern sicher.

Und was ist mit Zehennägeln? Die wirfst du ja auch einfach in den Müll und denkst nicht darüber nach. Und die Haare, die man verliert im Lauf der Zeit oder beim Friseur lässt?„, fragt eine Freundin rebellisch. „Die sind auch für immer weg, keiner weint ihnen nach und es ist egal, wo sie sind. Mach dir nicht soviele Gedanken. Abgesehen davon hat er ohnehin nur Probleme gemacht, die letzten Jahre. Nix als Qual und Bauchweh, kein Verlass auf den Mistkerl, ganz typisch auch irgendwie. Hatte nur eine einzige Aufgabe und die hat er vermasselt. Lag da nur rum und meckerte, wenn das Essen nicht mürbe genug für ihn war. Dann war er ewig und drei Tage beleidigt, bis man zu Kreuze kroch, weil man diesen Zustand nimmer aushielt ...“
Die Rede ginge noch weiter. Aber ich habe den Verdacht, dass sie mitten im Satz das Thema gewechselt hat – sie wurde vor kurzem geschieden. Als ich schüchtern frage, ob sie nun von meinem Darm oder ihrem Ex spricht, grummelt sie und meint finster „... dein Darm oder mein Ex – vollkommen egal, Arsch ist Arsch.
Was wiederum ein Wortspiel mit besonderer Finesse ist.

Ich habe allerdings bessere Gefühle für mein Dickdarmteilchen, als sie oder irgendjemand anderer für ihre schlechtere Hälfte und protestiere. Immerhin war der Grund meiner Trennung krankheitsbedingt. Aber ich merke, dass ich auch hier keine spirituelle Hilfe bekomme und in stillschweigendem Einvernehmen begraben wir beides bei einer Tasse Tee – ich meine Gedanken rund um meinen Bauchteil. Sie ihren Hass auf den, dessen Namen nicht mehr genannt werden darf. Zumindest vorübergehend.

Denn die Frage lässt mir keine Ruh. Mein Bauch ist gut geheilt, ich habe wieder Appetit, kann alles essen, ohne Krämpfe und vor allem ohne Angst. Und das verdanke ich der operativen Trennung. Wofür ich meinem Bauchbewohner danken möchte. Und ich hätte auch gern, dass ein ehemaliger Körperteil meinereiner nicht in einem kalten Tank auf einer Pathologie darben muss.

Also ich vermute mal, dass man das dann verbrennt.„, meint meine Gastroenterologin, die ich ein paar Tage darauf mit dieser Frage belästige. „Aber sicher bin ich mir nicht. Belastet es Sie sehr, nicht zu wissen, wo er ist?
Ja und Nein.
Ich weiß es nicht.

Es ist eine Phantomemotion. Das ist wie der Phantomschmerz, nur emotional und mehr in der Herzgegend. Der Ordnungstrieb in mir, der auf kontrollfreakige Weise gerne immer wissen will, wo alles ist, besteht aus organisatorischer Sicht auf einer Antwort.
Mein emotionales Ich widerum hätte gern eine kleine, intime Zeremonie abgehalten, mit einem kleinen Sarg, einer netten Rede und ja, auch ein paar Tränchen. Denn so ein Dickdarm wächst weder nach, noch auf Bäumen und er ist einzigartig. Also war.
Und mein Kopf-Ich fragt mich die ganze Zeit, ob ich noch alle Tassen in der Schublade habe, weil es einfach nur dämlich ist, wichtige Hirnkapazität mit einer so blöden Frage zu belasten.
Weg ist weg, meint es, und schwingt damit auf einer Linie mit meiner frisch-be-Ex-ten Freundin und dem stillschweigenden Rest derer, die ich mit meiner Frage gequält habe.

Worüber das Revolutions-Ich erwacht und meint, dass es ihm zwar auch da vorbei geht, wo man normalerweise drauf sitzt, aber soooo geht das nun dann doch nicht, dass sich keiner betroffen fühlt und niemand etwas weiß und mich vor allem keiner ernst nimmt.

Fragen 1 - Schräge G´schichten: Ungeklärte Fragen

Während mein inneres Team eine Mischung aus Klausurtagung und Soko bildet, versuch ich im Außen Nonchalance zu üben und verkneife mir die unheimliche Bauchfrage, die bei allen nur Befremden auslöst. Meine Erfahrung meint, dass es sich wie mit allen Dingen auch hier so verhalten wird, dass der interne Arbeitskreis meinereiner irgendwann seine Sitzungen einstellt, die Frage ungeklärt und ewig unbeantwortet bleiben wird, die Welt sich dennoch weiter dreht und die Phantomemotionen verblassen werden.

Dennoch, dann und wann, frage ich mich noch immer, ob es da einen kleinen Friedhof der Körperteile gibt. Wo sie ihren Frieden finden und ihren ehemaligen Trägern für die Trennung verziehen haben. Wenn ich merke, dass es mich traurig macht, dass der Verbleib meines Dickdarmteilchens so ganz und gar ungeklärt ist und niemanden interessiert, dann tröstet mich diese Vorstellung.

Und zugleich frage ich mich, ob mir nicht im Anschluss an die Narkose, im halbwachen Zustand, heftig den Kopf gestoßen habe, weil ich solche Gedanken habe und über solche Dinge ewig grüble. Was die logischste Erklärung für viele Dinge ist, über die ich mir dann und wann den Kopf zerbreche.

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